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9AM_gut

O.k.
Ganz gut.
Es geht.
Du lächelst. Dein Gesicht papierdünn. Mit Tintenflecken. Die Kiefer voller Rost. Deine Zunge stolpert, aber du fragst zurück. Es ist dir eigentlich egal. Du kennst die Antwort schon. Sie ist immer gleich. Banalität oder die Wahrheit. Deine sind gelogen. Aber so sind die Regeln. So ist der Code.
Wie geht es dir? Jetzt sagst du einfach: „Gut.“ Wie es mir geht? Mir geht es auch immer gut.

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9AM_Die Geschichte

Es war einmal ein Prinz. Ganz ohne Königreich und Krone oder ein weißes Pferd. Er hatte auch kein schwarzes. Er hätte gerne eins gehabt. In Glass Sparkle Black.
Er roch nach Zigaretten und Acrylfarben. Parfüm und Fruchtcocktails, wenn er mal wieder eine Prinzessin fand. Prinzessinnen gab es wie Sand am Meer. In allen Farben und in allen Größen. Manche verflucht, andere makellos perfekt.

Sie war keine Prinzessin. Auch keine Magd. Sie hasste Zigaretten, liebte Acryl. Ein Kugelschreiber reichte auch. Aquarell. Sie roch nach frischem Brot, Grapefruits, manchmal nach jasmin étoilé.

Vielleicht waren sie perfekt füreinander. Doch jeder lebte in einer eigenen Märchenwelt.

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9AM_Flügel

Er hatte was an seinem Rücken. Einen Flügel. Wirklich nur einen einzigen. Die Ärzte waren ratlos. Untersuchten ihn, schrieben Abhandlungen. Er sollte amputieren. Oder doch transplantieren? Die Welt bestand aus Engeln und aus Menschen. So etwas wie ihn gab es nicht. Aber es gab ihn.

Ein ganzes Leben Einsamkeit und Hohn brachten die Entscheidung. Er lag auf dem kalten Tisch. Ließ sich beleuchten und betäuben. Sank panisch in den Schlaf. Sie sagten, er würde keine Träume haben, aber er träumte. Von mehr Einsamkeit.

Da ist jetzt eine Narbe an seinem Rücken. So groß wie eine Münze. Und manchmal spürt er ihn noch. Den Flügel. Jetzt passt er auch in ein Kästchen. Sieht aus wie ein Mensch. Fühlt sich nicht wie einer.

Gestern dann die Sensation. Noch jemand mit nur einem Flügel. Er weinte vor dem Fernseher. Berührte das Gesicht auf dem Bildschirm. Der andere sah so glücklich aus. Gar nicht einsam.
Danach eine Lawine. Es gab noch mehr von ihnen. Tausende. Alle versteckt. Angepasst. Glücklich…

Die Welt bestand aus Engeln, Menschen und den Einflügigen. So etwas wie ihn gab es nicht.

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